FERRY MALOZZE - VIDEODREH CALA FALCO

Promille Hunter auf Eis: Wie ich in Santa Ponsa fast als Tiefkühl-Partybarde endete!

Hier ist die nächste Folge aus der Kategorie: „Warum Glamour im Showbusiness oft nach Wärmflasche schreit“. Denn auch beim Videodreh zu „Promille Hunter“ lief natürlich nicht alles glatt. Wäre ja auch viel zu verdächtig gewesen. Ein Ferry Malozze – Musikvideodreh ohne kleine Katastrophe ist schließlich wie Malle ohne Sangria-Eimer: theoretisch möglich, aber emotional komplett sinnlos.

Santa Ponsa im Februar

Also gab es direkt wieder die nächste herrlich bekloppte Episode für meine persönliche Showbiz-Chronik. Diesmal: Santa Ponsa im Februar. Großes Hotel. Riesiger Laden. Die Crew und ich gefühlt fast die einzigen Gäste. Draußen irgendwas bei 14, 15 Grad. Also offiziell: „Ach, geht doch noch.“ In Wahrheit aber diese fiese Sorte Kälte, die nicht laut anklopft, sondern sich leise durch die Knochen frisst und nebenbei die Lebensfreude kündigt.

Wir checken also ein, und schon in der Lobby dachte ich:

Oha. Frisch hier.

Aber man ist ja Profi. Man redet sich erstmal alles schön.

„Wird schon.“
„Ist bestimmt nur hier unten.“
„Das Zimmer ist bestimmt gemütlich.“
„Spanien ist warm.“

Alles Lügen, die man sich erzählt, kurz bevor man nachts in Schuhen schläft.

Hotelzimmer statt Luxus-Backofen

Im Zimmer angekommen war es dann nämlich auch nicht direkt tropisch. Eher so, als hätte die Bude über den Winter komplett vergessen, was Wärme überhaupt ist. So nach dem Motto: Heizung? Kenn ich nicht. Bin Hotelzimmer, kein Luxus-Backofen.

Aber der Gedanke kam mir natürlich erst später. Erstmal war Ankommen angesagt. Koffer auf. Sachen raus. Alles sortieren. Kopf schon wieder komplett im Video-Modus: Ablauf, Venue, Requisiten, Einstellungen, Ideen, Bilder, Möglichkeiten. Ferry Malozzes Gehirn rattert, der Körper friert, aber hey: Hauptsache Content.

Dann noch mal mit der Crew los zum Scouting, alles auschecken, einmal Lage peilen. Zurück im Zimmer habe ich mein Dress fein säuberlich ausgebreitet, das Geschmeide sortiert und mir für das gute Gefühl erstmal gepflegt eine Tasse Scotch-Cola gegönnt. Oder vielleicht auch ein paar mehr. Musik auf Anschlag. Paar Spritzer Parfum drüber. Zack: Stimmung da. So muss das. Zumindest bis der eigene Körper später beschließt, auf Energiesparmodus umzuschalten. Von Kälter keine Spur mehr, vergessen.

Mitternacht im Tiefkühlfach

Abends wurde mit der Crew im Restaurant noch schnell das Abendbrot inhaliert. Danach ab in die Gemächer. Schließlich wollte ein „always smiling Ferry“ am nächsten Morgen zum Drehtag ja halbwegs funktionstüchtig sein. Also relativ früh Licht aus, rein ins Bett, brav die Äuglein zu.

Und dann kam Mitternacht. Ich schrecke hoch wie ein Tiefkühlhähnchen auf Notstrom. Komplett am Zittern.

Man kennt das ja aus Spanien: Da wird einem gerne mal so ein dünnes Laken zum Zudecken hingeworfen, das ungefähr die Wärmewirkung eines Kassenbons hat. Ganz ehrlich: Zeitungspapier wäre vermutlich gemütlicher gewesen. Vielleicht sogar eine alte Speisekarte.

Ich lag also da und dachte: Was ist hier los? Bin ich im Hotel oder bei Nofrost oder Bofrost, anyway wie auch immer der Quatsch heisst…..

Wolldecke, Badehandtücher, textile Beleidigungen

Eigentlich hatte ich null Bock aufzustehen. Aber irgendwann siegt eben der Selbsterhaltungstrieb über die Faulheit. Also raus aus dem Bett, Schrank auf, gesucht, gewühlt — und tatsächlich: irgendwo lag noch eine alte Wolldecke rum.

Rettung! Dachte ich.

Ich wieder rein ins Bett, Decke drüber, kurz beruhigt, wieder eingepennt. Für ungefähr eine halbe Stunde. Dann wieder hochgeschreckt. Wieder am Schlottern. Wieder durchgefroren. Wieder innerlich kurz mit dem Universum verhandelt.

Da dachte ich nur: Okay. Jetzt wird’s albern.

Erst versuchte ich noch, mit zwei Badehandtüchern gegenzuarbeiten. Ergebnis: gar nichts. Wärmetechnisch ungefähr so effektiv wie zwei feuchte Briefumschläge. Die Dinger lagen da auf mir wie textile Beleidigungen.

Plan Eskalation: anziehen, bis der Koffer leer ist

Also blieb nur noch Plan Eskalation. Ich habe mir einfach alles angezogen, was ich im Koffer hatte. Wirklich alles. Natürlich außer der Stage-Klamotte. Man hat ja Prioritäten. Erfrierung hin oder her: Das Bühnenoutfit bleibt frisch.

Aber sonst kam alles zum Einsatz. Pullover. Shirts. Hemden. Hosen. Jacke. Stiefel. Komplettes Sibirien-Endlevel.

Ich lag irgendwann im Bett wie ein menschgewordenes Fundbüro. Es fehlten eigentlich nur noch Mütze und Handschuhe. Hatte ich natürlich nicht dabei. Ärgerlich, denn das wäre optisch der absolute Endgegner gewesen: irgendwo zwischen Après-Ski, Obdachlosen-Chic, Kleiderfundus Romania und Ballermann-Batman.

Immerhin konnte ich in dieser textilen Vollrüstung noch ungefähr vier Stunden Schlaf rausquetschen. Keine schöne Nacht, aber eine lehrreiche: Wer im Februar auf Mallorca dreht, sollte nicht nur Requisiten einpacken, sondern auch Thermounterwäsche, Daunendecke und im Zweifel einen kleinen Kamin.

Frühstück mit Frostbeulen

Beim Frühstück stellte sich dann raus: Ich war mit meinem Nachtfrost-Drama natürlich nicht allein. Der Crew ging’s ähnlich. Einer war nachts sogar noch runter zur Rezeption gestapft und hatte sich zwei zusätzliche Wolldecken organisiert. Also quasi die Deluxe-Version des Überlebensmodus.

Ich dagegen hatte mich für die Methode entschieden: Anziehen, bis der Koffer leer ist. Beides valide Konzepte.

Die Maskenbildnerin hatte in heiterer Breakfast-Talkrunde schließlich die rettende Idee: Klimaanlage ab sofort auf heiß bis Anschlag. Nicht diskutieren. Nicht überlegen. Nicht „mal gucken“. Einfach volle Pulle tropische Gegenoffensive.

Gesagt, getan. Direkt nach dem Frühstück haben wir das Zimmer auf Innensauna gestellt.

Abends Malediven mit Steckdose

Und tatsächlich: Als wir abends nach dem Dreh zurückkamen, war die Bude plötzlich nicht mehr Santa Ponsa im Februar, sondern eher Malediven mit Steckdose.

Allerdings war ich an diesem Abend innerlich eh schon komplett auf Betriebstemperatur. Der Drehtag war gelaufen, das Material war im Kasten, die Endorphine ballerten, das Rest-Adrenalin tanzte Samba. Und plötzlich war alles wieder gut.

So ist das eben beim Videodreh. Morgens denkst du noch, du wirst als Eisskulptur im Hotelflur gefunden, abends freust du dich über geile Shots und tust so, als sei das alles Teil eines großen künstlerischen Plans gewesen.

Frozen Malozze – jetzt taut er auf

Eigentlich schade, dass es kein Foto davon gibt, wie ich nachts mit gefühlt 25 Kleidungsstücken, Jacke und Schuhen im Bett lag wie ein eingewickeltes Showbiz-Mammut. Das wäre großes Kino gewesen. Vielleicht sogar Covermaterial. Arbeitstitel: „Frozen Malozze – jetzt taut er auf“.

Aber gut. Genau das ist es eben auch. Showbiz ist halt nicht nur fünf Sterne, Fame und Frohsinn. Manchmal ist Showbiz einfach: frieren wie blöd, nachts in Schuhen schlafen und morgens mit n paar Scotch-Cokes wieder halbwegs aussehen.

Die Quintessenz

Quintessenz: Genau aus solchen völlig bescheuerten Momenten entstehen am Ende die Geschichten, die man nie wieder vergisst. Oder eben direkt der nächste lockere Stoff für neue Track-Ideen.

Denn wenn zwischen Pool, Panik und Pril schon ein Song geboren werden kann, dann kann aus Santa Ponsa, Frostbeulen und Zwiebellook bestimmt auch noch irgendwas entstehen. Vielleicht nicht direkt ein Welthit. Aber mindestens ein sehr warmer Gedanke.

To be continued …